google323d6abb22ebd0a9.html

Vegan for beginners

Aller Anfang ist schwer- so ist das auch mit der Veganer Ernährung. Am Anfang steht man wie der Ochs vorm Berg und fragt sich, wie man das überhaupt alles bewältigen soll. In scheinbar jedem Produkt verstecken sich tierische Bestandteile und es erscheint am einfachsten, die Flinte gleich ins Korn zu werfen. Wir haben uns ja bereits durch den Ernährungs-Dschungel gekämpft und dabei vergessen, dass es uns einmal genau so ergangen ist wie dir jetzt. Also, back to the roots! Wir fangen mit euch gemeinsam gaaaaaanz von vorne an.


Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt. -Mahatma Gandhi


Was bedeutet vegan?

Die vegan Ernährung kommt ganz ohne tierische Produkte aus, das bedeutet, dass man kein Fleisch, keinen Fisch, keine Milch, keinen Käse, keine Butter, keinen Joghurt, keine Sahne, keinen Rahm, keine Gelatine, keine Eier und eben sonst auch nichts tierisches isst. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Was die Sache leider wirklich schwierig macht, sind unzählige Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker in Fertigprodukten, die dann versteckte tierische Eiweiße und Fette beinhalten. Wer dazu mehr erfahren möchte, kann die entsprechenden Nummern hier nachlesen. Daher empfiehlt es sich frisch zu kochen.

Ok, selber kochen- aber womit? Was bleibt denn jetzt noch übrig, außer Broccoli? Eine ganze Menge! Gezwungener maßen gilt es jetzt, den Markt an lokalen Früchten und längst vergessenen Gemütsarten zurück zu erobern. Pastinake, Rote Bete, Pak Choi- welcome back!

Gerade zu Beginn einer solchen Ernährungsumstellung ist es hilfreich zu wissen, durch was man bislang genutzte Produkte ersetzen kann, um nicht wieder ganz bei Null anzufangen. Wir zeigen euch hier die Basics.

Warum das Ganze?

Sich vegan zu ernähren ist für viele in der Szene eine Lebenseinstellung, die den Tierschutz zum zentralen Thema der Bewegung macht. Es ist ein Protestakt gegen Massentierhaltung, Käfighaltung und die unwürdige Massenschlachtung für eine Konsumgesellschaft, die den Bezug zu den Tieren verloren hat. Erst neulich machte das Reportage Magazin 

„Quarks und Co.- Warum wir Tiere lieben und trotzdem essen“ 

ein Experiment dazu. Sie schlachteten vor Weihnachten Gänse auf einem, Marktplatz, rupften sie und boten sie zum Verkauf an. Viele Passanten reagierten bestürzt, kaum ein Käufer ließ sich finden. Eine solche Reaktionen sieht man am Tresen bei Mcirgendwas bei der Bestellung eines 6ChickenNuggets eher selten oder? Wir wollen Fleisch essen, aber nicht sehen und wahrhaben, dass dafür ein Tier sterben muss. Es soll bitte möglichst außerhalb unseres Blickfeldes geschlachtet und zu kleinen lustigen panierten Dinosaurier-Figuren gepresst werden, damit das Lebewesen, dass drinsteckt, möglichst nicht mehr erkennbar ist. Darüber hinaus ist es vielen Veganern zuwider, dass Tiere nur ihres Felles wegen getötet werden oder Kosmetika an Tieren getestet werden. Wer auf tierische Produkte verzichtet, leistet daher einen erheblichen Beitrag zum Wohl unserer flauschigen und borstigen Lebewesen.

Darüberhinaus nehmen die Lebensmittelunverträglichkeiten zu- allem voran die Laktoseintoleranz. Was viele für eine „Mode-Krankheit“ halten, ist eine natürliche Entwicklung. Der Mensch ist als Säugling darauf angewiesen Milch verdauen zu können und verliert diese Fähigkeit im Laufe seines Lebens. Über Jahrzehnte hinweg behielten Bauernvölker Milchprodukte als Teil ihres Speiseplans bei, sodass sich unser Körper anpasste und lernte, sich die Fähigkeit, das milchzuckerspaltende Enzym Laktase weiterhin zu produzieren. Die meisten von uns vertragen daher ein gewisses Maß an Milchprodukten, während der übermäßige Konsum Probleme bereitet. Ein Glas Milch geht, aber der Bienenstich mit Sahne und der Latte Macchiato dazu führen zu unerfreulichen Stunden auf dem stillen Örtchen. Natürlich gibt es auch immer Extremformen; rund 20% der Deutschen leiden unter einer Laktoseunverträglichkeit. Manche vertragen dabei noch einen geringen Anteil, während bei wieder anderen das Gen zur Produktion der Laktase gänzlich verloren gegangen ist und sie somit zu 100% intolerant gegenüber Milchzucker sind. Der Verzehr von Laktose führt dann zu Blähungen, Durchfällen und sogar Immunreaktionen, die dann verantwortlich sein können für Gliederschmerzen oder ein schlechtes Abwehrsystem. Für diese armen Schweine ist die vegan Ernährung dann der einzige Ausweg. Natürlich könnten sie auch noch Fleisch essen, aber erklär das mal dem Kellner im Restaurant- viel Spaß. 


Milch

Sicherlich eine der ersten Fragen, die sich einem frisch gebackenem Veganer stellt: Was kommt ab heute in meinen Kaffee? Muss ich jetzt auf Latte Macchiato, Cappuccino und co. verzichten? Nein- natürlich nicht. Es gibt auch hier unzählige Varianten. Der Markt der Ersatzprodukte ist groß geworden- das sah vor 10 Jahren noch anders aus, nämlich zappenduster. Heute kann man zwischen Mandelmilch, Hafermilch, Sojamilch, Cashewmilch, Reismilch, Kokosmilch und zig verschiedenen Anbietern wählen. 

Jede Milchart hat ihre Vorteile. Backen kann man toll mit Hafermilch, die man übrigens auch prima selbst herstellen kann (hier gehts zur Anleitung), Mandelmilch schmeckt super mit Matcha Pulver, Eiswürfeln und Agavendicksaft als Drink, und Sojamilch ist die Nummer 1 im Kaffee. Bei allen Milchersatz-Produkten gilt: Wenn ihr die Milch nicht warm macht und in sehr heißen Kaffee gebt, kann die flocken. Das ist dann sehr kunstvoll, aber weniger schön zum trinken.

Marktführer ist unserer Ansicht nach Alpro Soja. Die Sorten „Alpro Soja Professional“ und „Alpro Soja Bio“ lassen sich problemlos in der Mikrowelle erhitzen, 30 Sekunden reichen völlig aus, aufschlagen und als Kaffeespezialität genießen, ohne dabei zu flocken. Mhhhhmm!

Kaufen könnt ihr die bei Rewe, Edeka, Kaufland und im Großhandel, wie Metro.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das gilt auch hier, denn genauso lecker, wie diese Sojamilch ist, ist sie auch teuer. 1,89€ pro Liter ist ein stolzer Preis. Schön, dass es auch preiswerte alternativen gibt! 



Entweder greift ihr jetzt doch auf unser Hafermilchrezept zurück und macht euch eure eigene Kaffe-Hafermilch für 0,30€ pro Liter oder ihr fahrt zu Lidl. Die haben jetzt ganz neu eine Sojamilch für 0,99€ im Sortiment, die der Alpro Soja Variante in nichts nachsteht. In dem Fall lohnt sich Lidl also wirklich.




Sahne

Hier kommt es darauf an, wozu ihr die vorher benutzt habt. Als süße Creme zu einem Stückchen Küchen, könnt ihr statt dessen Kokosmilch benutzen. Dazu braucht ihr eine Dose mit 400g Kokosmilch, ein kleines Tetrapäckchen Schlagcreme, Sahnesteif und Vanillezucker. Die Schlagcreme ist nicht über all zu bekommen, ziemlich sicher aber bei Kaufland und kostet 0,99€ pro Paket. 

Viele Rewe und Edeka Filialen führen sie ebenfalls. Die Kokosmilch stellt ihr am besten in den Kühlschrank, denn dadurch teilen sich die festen und Flüssigen Anteile. Wenn ihr die Dose dann öffnet, könnt ihr den festen Anteil mit einem Löffel abschöpfen und in eine Schale geben. Den festen Anteil halbiert ihr dann und schlagt jeweils einen festen Anteil mit einem Päckchen Schlagcreme, einem Päckchen Vanillezucker und 4 Päckchen Sahnesteif auf. Meiner Oma schmeckt diese Variante sogar besser, als normale Sahne- und das soll ja wohl was heißen.


Wenn ihr Sahne zum kochen verwendet, dann haben wir viele Alternativen für euch! Probiert da einfach mal aus, was euch am besten schmeckt. Die Firma Alpro Soja bietet da ein schönes Produkt mit dem Namen „Soja Cuisine“ an- das gibt es mittlerweile sogar in der fettreduzierten Variante und lässt sich für alle Soßen wie Sahne verwenden. Kaufen kann man das bei Edeka, Rewe, Kaufland und Netto. Finden tut ihr das im normalen Regal- nicht im Kühlregal- bei den Backwaren oder H-Milchprodukten. Der Kostenpunkt liegt bei 0,99€ pro Paket. 



Wer etwas zum andicken wünscht oder es cremiger will, der greift auf Mandelmus oder Cashewmus zurück. Beides können Thermomix Besitzer sogar selbst herstellen oder im Supermarkt kaufen. Das gibt es unzählige Anbieter, die sich im Preis auch nicht zu sehr unterscheiden. Generell handelt es sich hier um ein recht teures Produkt. Zwischen 5€ und 7€ müsst ihr für ein Glas investieren.



 

Fette & Öle

„Rein pflanzliche Magarine“- Da könnte man ja jetzt auf die Idee kommen, dass es sich um ein veganes Produkt handeln muss. Von wegen! Hier müsst ihr aufpassen wie ein Luchs, denn nirgends wird so viel Schindluder mit der Deklaration betrieben, wie bei der Magarine. Also immer die Inhaltsstoffe scannen. 

Es gibt verschiedene Marken wie „Deli“ und „Becel“, die tatsächlich auch vegan sind. Kaufen kann man die bei Edeka, Rewe, Kaufland und auch bei Lidl. Insbesondere die Deli ist geschmacklich gut und lässt sich auch prima zum Backen verwenden. Hierbei müsst ihr nur darauf achten, immer etwas weniger Magarine zu verwenden, als Butter im Rezept angegeben ist. Ein Beispiel: Steht im Rezept 200g Butter, verwende ich 180g Magarine.










Ansonsten hat sich unser Konsum an Magarine starke reduziert. Wir lieben jetzt Öl. Genauer gesagt Olivenöl. Unser Herz schlägt für einen Italiener namens „ Fratelli Carli". Dieser italienische Anbieter hat verschiedene kaltgepresste sehr hochwertige Öle im Angebot: eines für Salate, eines für warme Speisen und eines zum anbraten und frittieren! Und es hält was es verspricht. Wir backen sogar damit. Egal ob zum Braten oder Dippen, es ist geschmacklich für uns unübertroffen.


Qualität hat natürlich seinen Preis und der Südländer ist mit ca. 11€ die Flasche nicht ganz preiswert. Natürlich könnt ihr auch lokale Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl oder Rapsöl verwenden, das bleibt euch überlassen. 

Den Tofu, unseres preisgekürten VeGe Sushis haben wir beispielsweise in diesem Öl frittiert. Preisgekrönt- mehr brauch ich nicht zu sagen oder?





Süßungsmittel

“Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.”     - Albert Einstein

Das gilt es zu vermeiden, deshalb lassen wir den Sumse-Bienchen ihren süßen Saft zur Aufzucht ihrer Nachkommen, und wenden uns den pflanzlichen Ersatzmitteln zu. 

Ein berühmter Vertreter, der gerade in den letzten Jahren an Bekanntheit gewonnen hat, ist Stevia. Der Geschmack ist schon eigen und das Zeug wirklich sehr sehr süß. Wir sind keine Fans, vielleicht werdet ihr ja welche? Ausprobieren!

Unser Favorit ist Agaven-Dicksaft. Die Agave ist eine Pflanze, die in Mittelamerika und Mexico zuhause ist. Aus ihren Blättern wird ein Saft herausgesucht, der immer mehr zum Sirup einkocht, ähnlich dem Verfahren mit den deutschen Zuckerrüben. Es handelt sich um reinen Fruchtzucker, der um ein vielfaches süßer ist, als herkömmlicher Haushaltszucker. Ein weiterer Vorteil ist die Kalorienbilanz. Verglichen mit Rohrzucker, der rund 387 Kalorien auf 100g hat, punktet der Agavendicksaft mit 304 Kalorien auf 100g. 

Die Menge macht das Gift! Das gilt auch hier- übermäßiger Konsum kann zu einer Fructoseintoleranz führen und die macht herzlich wenig Spaß, also übertreibt es nicht mit dem süßen Zahn.



Ei 

Das klassische Frühstücksei lässt sich in der Tat nicht so einfach ersetzen. Leichter ist es da mit dem Rührei. Eine super Alternative ist uns auf der Veggie World 2017 in der Landeshauptstadt Hannover begegnet.


Wir wollten es auch nicht glauben, aber wenn man die Augen schließt, könnte man diesen Tofu wirklich nicht von Rührei unterscheiden. Jetzt das Liebslingsargument der überzeugten Nicht-Veganer: 

„Warum wollen Veganer mit ihrer Zubereitung immer etwas imitieren, dass sie aus Überzeugung nicht essen?“

Antwort: Warum nicht? Warum muss immer alles schwarz oder weiß sein? Geht nicht auch grau? Warum soll ich als Veganer nicht etwas essen wollen dürfen, dass wie Rührei schmeckt und mich gleichzeitig an dem Gedanken erfreuen, dass für diese Mahlzeit kein Huhn in einem winzigen kräftig eingepfercht sein Dasein gefristet hat und kein männlichen Küken im Schredder gelandet ist? Fazit: Das Zeug ist super lecker, kostet 2,99€ pro 190g und ihr müsst das online bestellen.

Wenn ihr beim Backen auf Eier verzichten möchtet, ist das im Grunde auch kein Hexenwerk. Es kommt jetzt ein bisschen darauf an, welche Funktion das Ei im Kuchen eures Rezeptes hat und welche Konsistenz der Kuchen anschließend haben soll. Bei Mürbeteig beispielsweise kann man das Ei prima durch gemahlene Leinsamen ersetzen. 1 EL Leinsamen entspricht dabei einem Ei. Nehmt gerne auch etwas mehr Backpulver, damit der Teig nicht zu fest wird. Alternativ, z.B. bei Mamor oder Sandkuchen, kann man auch Apfelmus verwenden. Wir nehmen da gerne 2EL für ein Ei. 

Bei unseren Rezepten findet ihr immer wieder auch Backwaren, lasst euch hier gerne von uns inspirieren!


Käse

Pizza- liebe ich ja wirklich abgöttisch. Wer noch? Hände hoch! Aber ohne Käse? Fehlt schon irgendwas… Aber keine Panik, auch hierfür gibt es Alternativen. Wenn mir mal wieder spontan einfällt, dass ich Pizza essen möchte, ich aber keinen Käseersatz eingekauft habe, dann nehme ich einfach etwas Mandel- oder Cashewmus, vermische es mit ein bisschen warmen Wasser zu einer cremigen leicht flüssigen Masse und würze es nach Belieben mit Kurkuma, Kreuzkümmel und Salz und tröpfle diese Mischung über die Pizza.

Ihr könnt euch sonst auch Hefeflocken kaufen- die gibts allerdings bisher nur im Reformhaus- und euch daraus mit Wasser Hefeschmelz zubereiten. Der schmeckt auch echt klasse auf der Pizza. Die entsprechende Zubereitungsanleitung findet ihr auf der Packung.

Pizzastreukäse und Scheibenkäse bietet ansonsten die Firma Wilmersburger an. Deren Produkte bekommt ihr ganz sicher bei Edeka, häufig auch bei Rewe. Der Scheibenkäse ist auch toll für Raclette- das finden sogar Nicht-Veganer unserer Freundeskreises.






Coming soon:

Ersatzprodukte für

Joghurt

Fleisch

Verdickungsmittel

© Hamacher 2017